Im Jahr 1876 verkaufte Christoph Junghans in Vockerode im Werra-Meißner-Kreis Salbenkruken und Schneiderkreide. Ein kleiner, regionaler Handel – nicht mehr, nicht weniger. Dass daraus einmal ein Unternehmen entstehen würde, das täglich über eine Million Kunststoffteile für internationale Konzerne fertigt, hätte damals niemand gedacht. Nicht einmal er selbst.
Aber genau das ist passiert. Und in diesem Jahr feiern wir 150 Jahre – nicht mit großen Gesten, sondern mit einem ehrlichen Blick darauf, wie wir dahin gekommen sind und wohin wir gehen.
Der erste entscheidende Schritt war der Wechsel vom Handel zur Produktion. Bald nach der Gründung stellten wir selbst her: Salbenkruken aus Porzellan und Ton. Ein kleines Unternehmen, das seinen eigenen Weg suchte und ihn fand. 1952 folgte der Umzug nach Hessisch Lichtenau – bis heute unser Standort. Und mit dem Umzug kam die nächste Weichenstellung: Wir pressten unsere erste Dose aus Bakelit-Duroplast und gehörten damit zu den frühen Herstellern von Kunststoffverpackungen in Deutschland. Unsere Deckel konnten wir bereits mehrfarbig bedrucken – für damalige Verhältnisse ein echter Fortschritt.
In den 1960er Jahren lösten Thermoplaste die Duroplaste ab, und wir stiegen auf das Spritzgussverfahren um. Dieser Schritt hat uns geprägt. Das Spritzgussverfahren erlaubt eine Präzision und Flexibilität in der Formgebung, die für unsere Kunden bis heute entscheidend ist. Wir konnten individuellere Formen, dünnere Wandstärken, komplexere Verschlusssysteme realisieren – und haben diese Möglichkeiten seitdem konsequent ausgebaut.
1997 übernahm Klaus Junghans das Unternehmen, damals mit 15 Mitarbeitenden. Gemeinsam mit seiner Frau Martina – ausgebildete Chemie-Ingenieurin – verantwortet er seither die Geschäftsführung. Martina Junghans hat dabei die Bereiche Personal und Qualitätsmanagement aufgebaut und professionalisiert. Was als familiäres Handwerk begann, entwickelte sich in ihrer gemeinsamen Zeit zu einem zertifizierten Industriebetrieb mit klaren Strukturen und messbaren Standards.
Heute beschäftigen wir 65 Mitarbeitende und erwirtschaften einen Jahresumsatz von 14 Millionen Euro. 95 Prozent unserer Produkte liefern wir an internationale Konzerne – Kunden wie TetraMin, Südzucker, Natreen oder Wiberg-Gewürze. Viele unserer Verpackungen und Verschlüsse kennt man, ohne unseren Namen zu kennen. Das stört uns nicht. Wir wissen, was drinsteckt.
In den vergangenen Jahren haben wir rund neun Millionen Euro in die Modernisierung unserer Produktion investiert: fahrerlose Transportsysteme, Palettierroboter, vollautomatische Kartonaufrichter und -verschließer sowie ein Hochregallager. Hinzu kommt die vollständige Digitalisierung unserer Fertigungsprozesse – von der Rohmaterialanlieferung bis zum versandfertigen Produkt. Das Ergebnis: Jedes einzelne der täglich über eine Million gefertigten Teile ist lückenlos rückverfolgbar. Für unsere Kunden aus der Lebensmittel-, Futtermittel- und Pharmaindustrie ist das keine Kür, sondern Pflicht – und für uns selbstverständlich.
Dass unsere Qualitätsarbeit Wirkung zeigt, hat uns ein unangekündigtes BRC-Hygieneaudit bestätigt: Wir erreichten die Bestnote AA+ – eine Bewertung, die in unserer Branche selten vergeben wird. Hinter diesem Ergebnis stecken interne Auditoren-Teams, kontinuierliche Mitarbeiterschulungen und eine Unternehmenskultur, in der Qualitätsbewusstsein kein Aushängeschild ist, sondern gelebter Alltag.
Nachhaltigkeit ist für uns kein neues Thema. Unsere Produktionsabfälle recyceln wir bereits seit Jahren selbst und fertigen daraus auf Kundenwunsch neue Verpackungen. In den kommenden Jahren wollen wir uns stärker auf sortenreine Verpackungen und die Reduktion von Materialgewicht konzentrieren. Die Anforderungen der europäischen Verpackungsverordnung PPWR haben wir dabei genau im Blick – hinsichtlich Verpackungsdesign, Materialeinsatz, Lieferkettenstrukturen und Dokumentation. Wir sehen das weniger als Regulierungsdruck und mehr als Bestätigung eines Weges, den wir ohnehin gehen wollen.
150 Jahre sind eine lange Zeit. Aber sie erklären sich nicht von selbst. Was uns durch diese Zeit getragen hat, ist keine Formel und kein Geheimnis: Es ist die Bereitschaft, sich zu verändern, ohne das Wesentliche aus dem Blick zu verlieren. Gute Produkte. Verlässliche Partnerschaften. Verantwortung für die Menschen, die hier arbeiten, und für die, die unsere Verpackungen am Ende in den Händen halten.
Wir freuen uns auf die nächsten 150 Jahre.

