Wenn Vernetzung zur Stärke wird: Junghans im Robotik-Leitfaden des Landes Hessen

Vollautomatisierte Produktion vom Auftragseingang bis zum Warenausgang – was sich nach Zukunftsmusik anhört, ist bei uns in Hessisch Lichtenau seit einigen Jahren gelebte Realität. Dass dieser Weg nicht einfach war, aber konsequent richtig, bestätigt nun auch eine offizielle Publikation des Landes Hessen: Der im Frühjahr 2026 veröffentlichte Leitfaden „Automatisierungspotenziale in der Produktion nutzen“ von Technologieland Hessen hat Junghans als Praxisbeispiel aufgenommen und unsere Automatisierungslösung ausführlich vorgestellt.

Der Ausgangspunkt: Wachsender Bedarf, begrenzte Kapazitäten

Bereits 2015 war absehbar, was viele produzierende Unternehmen in Deutschland heute spüren: Der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften für personalintensive Prozesse lässt sich im Mehrschichtbetrieb nicht dauerhaft wirtschaftlich decken. Bei uns betraf das vor allem die manuelle Verpackung und Lagerung unserer Produkte – Deckel, Verschlüsse und Behälter für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie, die höchste Hygiene- und Qualitätsstandards erfüllen müssen. Hinzu kamen arbeitsintensive Umrüstvorgänge durch unsere individuell gefertigten Produkte sowie Kartonstaub, der die Produktionsumgebung belastete.

Die Entscheidung, konsequent auf Automatisierung zu setzen, war damit keine Frage des Ob – sondern des Wie.

Von Einzellösungen zur vernetzten Gesamtlösung

2018 begannen wir mit der Automatisierung unserer Fertigung. Doch das eigentliche Qualitätssprung kam durch die Vernetzung: Mit der Steuerungssoftware „Subito Flow“ unseres Partners fpt robotics haben wir eine zentrale Middleware eingeführt, die alle Prozesse – Montageroboter, fahrerloses Transportsystem, vollautomatisches Hochregallager und Palettierroboter – mit unserem ERP-System verbindet. Das Ergebnis ist ein lückenloser Materialfluss: Geht ein Auftrag ein, werden sämtliche Folgeschritte automatisch ausgelöst, bis der fertig konfektionierte Karton versandbereit auf der Palette steht.

Mit fast 50 Einheiten im fahrerlosen Transportsystem, einem Hochregallager mit einer Tageskapazität von rund einer Million Produkte in 3.800 Kartons und vollautomatischer Etikettierung und Palettierung haben wir eine Lösung geschaffen, die nicht nur effizient, sondern auch skalierbar ist.

Vier Jahre Planung – und ein klares Ergebnis

Von der ersten Entscheidung bis zur vollständig vernetzten Lösung vergingen vier Jahre. Länger als geplant, denn allein der Anbau für das Hochregallager von SSI Schäfer stellte eine erhebliche bauliche Herausforderung dar. Die Gesamtinvestition im Millionenbereich ließ die ursprünglich geplante Amortisationszeit von sechs auf neun Jahre steigen. Doch die wirtschaftlichen Effekte sind klar: erhebliche Kosteneinsparungen, vollständige Transparenz über alle Prozesse, deutlich reduzierter Ressourcenverbrauch – und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Robotik nicht als Bedrohung, sondern als unverzichtbaren Teil unserer Zukunftsfähigkeit begreifen.

Was andere Unternehmen daraus mitnehmen können

Der Leitfaden von Technologieland Hessen nutzt unser Beispiel, um zu zeigen, wie der Weg von vielen Einzellösungen zu einer vollintegrierten Automatisierung gelingen kann. Unser Rat an andere Unternehmen, die diesen Weg noch vor sich haben, ist einfach: Mutig sein. Nur so lassen sich in herausfordernden Zeiten hochqualitative Produkte am Standort Deutschland wirtschaftlich erfolgreich entwickeln und herstellen.

Der vollständige Leitfaden „Automatisierungspotenziale in der Produktion nutzen“ steht als kostenfreier Download zur Verfügung – unser Praxisbeispiel findet sich auf Seite 30.

Zum Leitfaden von Technologieland Hessen (PDF)